RAUSCH & RISIKO

Welche Rolle spielen Rausch und Risiko in einer Gesellschaft? Was gilt als normal, was nicht? Ab wann wird es gefährlich? Wie können Strategien im Umgang mit dem menschlichen Bedürfnis nach „Rausch und Risiko“ entwickelt werden?

RAUSCHFREI?

Das Streben nach Rauschzuständen ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. Menschen suchten den Rausch zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Eine rauschfreie Gesellschaft hat es nie gegeben.

William Hogarth - A Midnight Modern Conversation, Quelle: Wikipedia Commons

Die Azteken in Mexiko nahmen bewusstseinserweiternde Pilze einerseits als gewöhnliche und alltägliche Rausch-droge, aber andererseits auch zu rituellen und

religiösen Zwecken ein.

In Deutschland ist Alkohol das beliebteste Rauschmittel und kulturell verankert. Alkohol wird zur Entspannung nach der

Arbeit, oder exzessiv auf Veranstaltungen wie dem Oktober-fest konsumiert.

In Peru werden Kokablätter als natürliches Mittel gegen Schmerzen, Atem- und Verdauungsbeschwerden und aufgrund ihrer anregenden Wirkung – vergleichbar mit der von Kaffee – verwendet.

Rauschzustände können auch durch körperliche Betätigung wie Sport, Tanzen, Musikhören, Meditation oder Bungee-

springen erzeugt werden. Bereits kleine Kinder versetzen sich durch Drehbewegungen in Rauschzustände.

Auch manche Tiere versetzen sich, vermutlich absichtlich, in Rauschzustände. So wurde bei Schimpansen beobachtet,

dass sie gegorenen Fruchtsaft trinken bis sie leichte Rauschzustände erreichen oder einschlafen.

DER GANZ NORMALE  RAUSCH?

Was als legitimes Rauschmittel angesehen wird, ist von den vorherrschenden Werten in einer Gesellschaft abhängig. So galt Kaffee im Deutschland des 18. Jahrhunderts als gefährlich und es bestanden Verbote. Kaffee war das Getränk des aufstrebenden Bürgertums und wurde mit revolutionären Bestrebungen in Verbindung gebracht.

linkes Bild: „Der Tuileriensturm am 10. August 1792“ Jean Duplessi Bertaux (Quelle: Wikipedia Commons)

Heute ist Kaffee ein akzeptiertes Rauschmittel und für viele Menschen normaler Bestandteil eines Frühstücks. Die gleiche Substanz wird heute ganz anders wahrgenommen als vor einigen Jahrhunderten. Dafür werden heutzutage andere Rauschmittel gesellschaftlich verpönt, insbesondere die illegalen Drogen.

AUSBRUCH AUS DEM ALLTAG

Menschen suchen den Rauschzustand auch dann wenn sie Genuss, Entspannung oder Spaß wollen, nicht nur wenn sie Problemen entfliehen wollen. Menschen suchen nach „Erlösung, Abenteuer, Geborgenheit, andere[n] Wirklichkeiten“ ausserhalb ihres Alltags.*

 

*http://www.risflecting.at/konzept#chapter-2

Berauschendes

Erlaubnis

Rauscherfahrung

Euphorie

Ekstase

Nüchternheit:

Klarheit/Kontrolle

JUGEND IM RAUSCH

Das Experimentieren mit Rauschzuständen im Jugendalter ist nicht per se negativ zu bewerten und kann als jugendtypisches Verhalten gesehen werden. Für die Entwicklung von Jugend-lichen können Rauscherfahrungen von entlastender Bedeutung sein und als Bewältigungsstrategie im Umgang mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens dienen. Erlernte Handlungsweisen und Normen werden hinterfragt und Risikosituationen eingegangen.

Ausschnitt aus dem Kupferstich "Der heilige Antonius, von Dämonen gepeinigt" von Martin Schongauer (1445/50-1491) © Foto: Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz Fotograf/in: Atelier Schneider

RISIKO & GEFAHR

Rauschzustände sind mit einem Risiko verbunden. Das Auseinandersetzen mit dem Thema Rausch und das Entwickeln einer Risikokompetenz sind notwendig. So können negative Folgen wie gesundheitliche und soziale Probleme oder Abhängigkeiten verhindert werden.

Weitere Infos gibt's auf risflecting.at

Das Erreichen eines bestimmten Rauschzustandes ist spätestens dann als gefährdend einzustufen, wenn dies mehr oder weniger das einzige Mittel ist, um bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen oder negativen Gefühlen zu entfliehen. Die Handlung wird trotz sozialer und gesundheitlicher Schädigungen ständig und ohne zeitliche Begrenzung wiederholt. Andere Ressourcen wie Freunde, Hobbies oder Familie werden kontinuierlich vernachlässigt oder durch das Rauschmittel ersetzt.

Nuggets. Ein Kurzfilm von "Film Bilder"

RISIKOKOMPETENZ:

RAUSCH UND RÜCKKEHR

Um die Risiken bei den unterschiedlichsten Rauschexperimenten gering zu halten und Schäden für sich selbst und andere zu verhindern, muss der Umgang mit Rausch und Risiko erlernt werden. Ziel ist ein gesundes Verhältnis zum eigenen Risikoverhalten beziehungsweise eine Risikokompetenz. Der eigene Gefühlszustand sollte vor und nach dem Rauscherlebnis reflektiert werden.

Wie geht es mir heute?

Warum will ich mich berauschen?

Vertraue ich den Personen um mich herum?

Wie habe ich mich im Rausch gefühlt?

Wie habe ich mich im Rauschzustand verhalten?

Welches Bedürfnis hat der Rauschzustand befriedigt?

RAUSCH UND RISIKO SIND ALLGEGENWÄRTIG. WIE UND WANN SICH DEM HINGEGEBEN WIRD, IST EINE EIGENVERANTWORTLICHE ENTSCHEIDUNG.

Ein Projekt der

Wenn Sie einen Workshop zum Thema Jugend und Rausch mit uns durchführen möchten, kontaktieren Sie uns gerne unter der 0 69 27 21 63 00 oder praevention[at]vae-ev.de.

Weitere Quellen und Informationen:

High Sein - Ein Aufklärungsbuch: Jörg Böckem & Henrik Jungaberle.

risflecting.at

Rausch & Realität. Drogen im Kulturvergleich: Fachstelle Prävention Frankfurt

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